Zahl der Intensivpatienten steigt wieder an

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 2279 Neuinfektionen am Sonntag. Auch die Zahl der Intensivpatienten steigt wieder an. Ist Corona noch genauso gefährlich wie im Frühjahr?

Die Infektionszahlen steigen seit Wochen. Heute meldet das RKI 2279 Neuinfektionen, was gegenüber der letzten Woche eine Steigerung um 60 Prozent bedeutet. Doch diese Zahl allein ist wenig aussagekräftig, da sie von vielen Faktoren abhängt – unter anderem davon, wie viel getestet wird. Um zu verstehen, wie ernst die Lage ist, muss man betrachten, wie die Situation sich in den Krankenhäusern entwickelt. Wie viele Intensivpatienten gibt es? Wie gut können Ärzte einen schweren COVID-19-Verlauf mittlerweile behandeln?

Der Kölner Lungenarzt und Intensivmediziner Christian Karagiannidis äußerte im „Tagesspiegel“ seine Einschätzung zur Situation: „Im Moment steigen die Zahlen der Intensivpatienten an. Man muss jetzt schauen, wie hoch der Anteil der Beatmeten ausfällt. In der Spitze lag er bei 80 Prozent, aktuell etwa bei 50 bis 60 Prozent“, erklärt Karagiannidis. Derzeit sei das Durchschnittsalter der Infizierten noch niedrig, daher müsse man abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen in den kommenden Wochen entwickle. „Ich kann nur aus unserer Kölner Erfahrung sagen, dass COVID-19 jetzt genauso ernst ist wie in der ersten Welle auch. Wir sehen hier keine Unterschiede bezüglich der Symptome der Patienten oder dem Schweregrad der Erkrankung“, so der Kölner Mediziner.

Inzwischen habe man allerdings neue Erkenntnisse über Behandlungsmöglichkeiten. In der Frühphase einer Erkrankung setze man bereit Remdesivir ein, was gerade auch US-Präsident Trump bekommt. In schweren Fällen komme inzwischen standartmäßig Dexamethason zum Einsatz, erklärt der Mediziner. Gemäß einer Oxford-Studie könne Dexamethason die Sterblichkeit von Patienten am Beatmungsgerät um ein Drittel senken.

Laut DIVI-Intensivregister werden in der Bundesrepublik derzeit rund 300 Patienten intensivmedizinisch behandelt. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen hängt am Beatmungsgerät. Die Kapazitäten in den Krankenhäusern, die schon zur ersten Welle massiv aufgestockt wurden, sind noch kaum ausgelastet. Im Mittel sind noch rund ein Drittel der Intensivbetten frei. Am besten ist die Lage in Schleswig-Holstein. Am anderen Ende der Skala steht Berlin mit einer Auslastung zu rund 80 Prozent. Das DIVI-Register wird von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) gemeinsam mit dem RKI bereitgestellt und stetig aktualisiert. Das RKI ermahnte, dass Corona sich derzeit vor allem unter jungen Menschen verbreite. Dies werde sich aber mit steigenden Infektionszahlen ändern. „Wenn sich wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, werden wieder mehr schwere Fälle und Todesfälle auftreten“, folgert das Bundesinstitut.