Zeitumstellung in der EU: Schluss damit oder doch nicht?

Jean-Claude Juncker verkündete im Sommer, die Zeitumstellung abzuschaffen. Schon nächstes Jahr sollte es wahr werden. Doch nun regt sich Widerstand in Europa.

Zugegeben, es hätte uns alle überrascht, wenn die EU ernsthaft binnen weniger Monate eine Entscheidung trifft und durchsetzt. Natürlich muss auch das Thema Zeitumstellung durch die langsamen Mühlen Europas gemahlen werden. Dabei klang Jean-Claude Juncker im Sommer so enthusiastisch. Vollmundig hatte der Vorsitzende der EU-Kommission verkündet „Die Menschen wollen das, wir machen das“ und legte der EU einen Gesetzesentwurf vor, wonach die Bürger der Europäischen Union nächsten März zum letzten Mal die Zeit umstellen müssten.

Mit „die Menschen wollen das“ bezog sich Juncker auf eine EU-Umfrage, wonach 84 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung votierten. Was von Kritikern schon im August angemerkt wurde, hat sich nun bestätigt: Der größte Teil der Umfrageteilnehmer stammte aus Deutschland. Während Juncker den Deutschen schon Lust auf eine Dauerzeit machte, wurde die Diskussion in einigen unserer Nachbarländer noch nicht einmal angefangen. Die fordern deshalb mehr Zeit, bevor eine europäische Entscheidung getroffen werden könne.

Außerdem beschwerten sich einige Diplomaten in einem anonymen Interview, dass der Gesetzesentwurf unvollständig wäre und völlig unnötigerweise Zeitdruck auf die Länder ausüben würde. Der Vorschlag der Kommission sei „nicht wirklich überzeugend“ und es mangele an Klärung, welche Konsequenzen die Änderung für länderübergreifende Wirtschaftszweige haben würde.

Dem Vorschlag hätte das EU-Parlament bis März 2019 zustimmen müssen. Danach könnten die Länder individuell entscheiden, ob sie sich für eine dauerhafte Sommer- oder Winterzeit entschieden, was bedeuten würde, dass die Zeitzonen innerhalb der EU noch häufiger als bisher variieren könnten. Schon jetzt gibt es drei Zeitzonen in der EU.

Laut Abstimmung wäre die Mehrheit der Menschen für eine dauerhafte Sommerzeit. Kritiker ließen jedoch verlauten, dass die Entscheidung nur so ausgefallen sei, weil sie im Sommer stattfand. Würde die Sommerzeit im Winter erhalten bleiben, so müssten die Menschen nämlich biologisch betrachtet eine Stunde früher, also überwiegend im Dunkeln, aufstehen und zur Arbeit fahren – was, so die Kritiker, sicher auf weniger Begeisterung gestoßen wäre.

Ganz davon abgesehen hat Griechenland sich grundsätzlich gegen ein Ende der Zeitumstellung ausgesprochen. Dessen Bürger sollen mehrheitlich (56 Prozent) für einen Erhalt der bisherigen Regel sein. Diese Variante sieht der EU-Vorschlag gar nicht vor.