Zu viele Tote: Kliniken müssen Leichen auslagern

Die zweite Welle bringt die traurigsten Rekorde mit sich. Nicht nur die Intensivbetten und das Klinikpersonal wird in den Corona-Hotspots knapp. Mittlerweile mussten Krankenhäuser in Sachsen auch die Kühlkapazitäten für Leichen aufstocken. Der Landkreis hat schnell reagiert. Traurig ist es trotzdem.

Im Landkreis Görlitz, der Corona-Megahotpot Sachsens, ist die Übersterblichkeit aktuell besonders hoch. Zeitweise mussten die Kliniken improvisieren, weil alle Kühlfächer beleget waren. Kreissprecherin Julia Bjar bestätigte die traurige Meldung. Zuerst berichteten die „Sächsische Zeitung“ und „Bild-Zeitung“.

Die Kliniken hätten „temporär den Verabschiedungsraum nutzbar gemacht“ und mit Krematorien und Bestattungsunternehmen kooperiert, um das Lagerproblem zu lösen, erklärte Bjar und betonte, dass die angemessene Lagerung der Verstorbenen jederzeit gewährleistet gewesen sei.

Inzwischen habe sich die Situation wieder entspannt, meldete der Kreis Görlitz. Man habe die Standesämter aktiviert, sodass Sterbeurkunden zukünftig schneller ausgestellt werden können. Dadurch könne man die Lagerzeit der Toten verkürzen.

Wie der MDR Sachsen ermittelte, meldet Sachsen aktuell fünfmal so viele Corona-Tote wie im Frühjahr. Zwischen März und Juni sind in dem Bundesland an der Elbe 213 Infizierte gestorben. Inzwischen sind mehr als 1.050 Todesopfer im Zusammenhang mit dem Corona-Virus hinzugekommen. Allein in der ersten Dezemberwoche erlagen dem Virus mehr Menschen als während der gesamten ersten Welle.

Auch die Anzahl der Intensivpatienten habe sich im Vergleich zum Frühjahr verfünffacht, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft Gerald Gaß am Sonntag. Die Krankenhaus-Kapazitäten in vielen Kliniken in Ostsachsen und im Erzgebirge sind bereits erschöpft. Die Landesärztekammer hatte schon Ende November vor dieser Entwicklung gewarnt. Heute Morgen meldete der Landkreis Bautzen, dass nur noch ein einziges Intensivbett für Covid-19-Patienten freistehe. Patienten aus Pflegeheimen würden immer öfter nur noch vor Ort in den Heimen behandelt, erklärte Landrats-Vize-Landrat Udo Witschas. Die Lage sei „dramatisch“.

Sachsen ist mit einem Inzidenz bei 315,2 bundesweit am härtesten von der Pandemie betroffen. Nur der Landkreis Regen in Niederbayern hat mit 569,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen einen höheren Inzidenzwert. Sachsen geht deshalb ab Montag in einen verschärften Lockdown: Schulen, Kitas, Horte und alle verzichtbaren Geschäfte des Einzelhandels werden geschlossen. In Landkreisen mit hohen Zahlen wird eine Ausgangssperre verhängt. Auch in Bayern wurde der Teil-Lockdown erneut verschärft.