

Schreckliche Szenen in Spanien: Zwei Hochgeschwindigkeitszüge sind nahe der Stadt Urda in der Provinz Toledo zusammengestoßen. Mindestens 64 Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt.
Waggons stürzten einen Bahndamm hinunter, Metallteile wurden über das Gelände verstreut. Während Rettungskräfte um Überlebende kämpfen, schildern Passagiere Momente voller Angst und Verzweiflung.
Waggons zertrümmert, Verletzte überall
Das Unglück ereignete sich am Mittwochmorgen gegen 8.54 Uhr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Sevilla. Ein Zug des privaten Anbieters Iryo mit 147 Passagieren war zum Stillstand gekommen. Ein AVE-Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe mit 397 Menschen an Bord prallte von hinten auf ihn. Bei dem Zusammenstoß entgleisten mehrere Waggons; einige stürzten einen Abhang hinunter.
Am Unfallort bot sich ein Bild der Zerstörung. Rettungskräfte eilten zwischen verbogenen Metallteilen und beschädigten Waggons hin und her. Verletzte wurden versorgt und in umliegende Krankenhäuser gebracht. Nach Angaben der Behörden befinden sich mehrere Verletzte in kritischem Zustand. Die Zahl der Todesopfer könnte weiter steigen.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte bestürzt. Er erklärte, er sei angesichts des schweren Zugunglücks „erschüttert“, und sprach den Opfern und ihren Angehörigen seine Unterstützung aus.
Überlebende berichten von schrecklichen Sekunden
Für die Menschen in den Zügen verwandelte sich eine gewöhnliche Reise binnen Augenblicken in einen Albtraum.
Miguel Ángel Pérez saß im hinteren Teil des Renfe-Zuges. Gegenüber dem spanischen Sender TVE schilderte er den Aufprall: „Es war ein gewaltiger Zusammenstoß. Der Waggon kippte teilweise um. Wir haben zerstörte Waggons neben uns gesehen.“
Kurz zuvor hatten einige Passagiere geschlafen, andere gearbeitet. Dann erschütterte ein heftiger Schlag den Zug. Menschen mussten sich an ihren Sitzen festhalten, Gepäck und Gegenstände bewegten sich durch die Waggons. Um ins Freie zu gelangen, wurden Fenster geöffnet oder aufgebrochen.
Auch Fernando Seco, ein weiterer Überlebender, berichtete von erschütternden Szenen. Nach dem Aussteigen hätten Passagiere versucht, Verletzten zu helfen. „Wir haben Menschen zwischen den Metallteilen gesehen“, sagte er. Seine Worte spiegeln die Hilflosigkeit derjenigen wider, die unmittelbar nach dem Aufprall mit dem Ausmaß der Katastrophe konfrontiert waren.
Ermittler suchen nach der Ursache
Warum es zu dem Zusammenstoß kam, ist noch Gegenstand der Untersuchungen. Wie ntv unter Berufung auf einen Bericht von „El País“ schreibt, waren aufgrund der Störung etwa acht Züge am Bahnhof Urda angehalten worden. Kurze Zeit später erhielten alle Züge außer dem Iryo-Zug offenbar die Freigabe zur Weiterfahrt. Unterdessen näherte sich der Renfe-Zug auf demselben Gleis – und erhielt die Anweisung, zu beschleunigen, so El País. Als der Lokführer den stehenden Zug sah, war es bereits zu spät. Die Ermittler werden nun den Hergang der Ereignisse im Detail untersuchen.
Verkehrsminister Óscar Puente bezeichnete nach Angaben des spanischen Senders RTVE die Anweisung der Leitstelle, die Fahrt wieder aufzunehmen, als „unerklärlich“. In einer Stellungnahme sprach er von einer „falschen“ Entscheidung. Ob ein menschlicher Fehler, technische Probleme oder andere Faktoren zu dem Unglück beitrugen, ist bislang nicht abschließend festgestellt.
Die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Madrid und Andalusien wurde in beiden Richtungen unterbrochen. Reisende müssen mit erheblichen Einschränkungen rechnen.
Spanien trauert um die Opfer
Die Katastrophe trifft ein Land, das bereits im Januar bei einem schweren Zugunglück nahe Adamuz 46 Menschen verloren hatte. Auch damals waren ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und ein Zug von Renfe betroffen. Nun stehen erneut Familien vor der bangen Frage, ob ihre Angehörigen überlebt haben.
Während die Rettungs- und Bergungsarbeiten weitergehen, bleibt die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden. Hinter jeder Zahl stehen Menschen, deren Leben innerhalb weniger Sekunden aus der Bahn geworfen wurde. Für die Angehörigen beginnt eine Zeit quälender Ungewissheit, für die Überlebenden die Verarbeitung eines Erlebnisses, das sie nie vergessen werden.