

Fleisch gehört in Deutschland immer noch zu den beliebtesten Lebensmitteln und auch wenn der Konsum im Laufe der letzten Jahre abgenommen hat, wollen die wenigsten hierzulande ganz auf Braten, Würstchen und Hähnchen verzichten. In Metzgereien und Supermarkttheken kann man gewöhnlich zwischen Rinder-, Schweine- und Geflügelprodukten wählen, aber jetzt soll bald ein weiteres Tier zur Schlachtung freigegeben werden. Für viele kommt die Nachricht vielleicht sogar als eine Erleichterung, denn die neue Fleischsorte wird von einem der schlimmsten nächtlichen „Terroristen“ in Gärten und Straßen geliefert. Die Rede ist von Waschbären, die seit geraumer Zeit in Deutschland ihr Unwesen treiben und als invasive Art eingestuft wurden.
Bedrohung für deutsche Biodiversität
Obwohl es manche gibt, die die frechen nächtlichen Besucher als putzige Kuscheltiere betrachten, richten die Eindringlinge aus Nordamerika in Deutschland enorme Schäden an Gebäuden und in Gärten an. Zwischen 1,6 und 2 Millionen Tiere haben sich bereits über 70 Prozent der Jagdflächen in der Bundesrepublik ausgebreitet und ständig werden es mehr. Neben den Sachschäden bedrohen Waschbären auch die heimische Artenvielfalt und verdrängen einheimische Vögel, Amphibien und Fledermäuse, die dem Prädationsdrang der Nordamerikaner zum Opfer fallen. In den meisten Bundesländern sind Waschbären deshalb zum Abschuss freigegeben, aber bei der riesigen Anzahl Tiere, die erlegt werden müssen, stellt sich die Frage: Wohin mit den toten Räubern?
Gesündere Alternative zu herkömmlichen Fleischsorten
Der Naturschutzbund (Nabu) in Leipzig hat jetzt die Idee ins Rollen gebracht, die erlegten Waschbären in Metzgereien bundesweit zum Verzehr anzubieten. Der Vorsitzende des Naturschutzbunds in Leipzig, René Sievert, sagte in einem Gespräch mit dem Sender MDR, dass der Verkauf von Waschbärfleisch im Einvernehmen mit dem deutschen Gesetz stehe, das eine „Nützlichkeit“ bei dem Töten von Tieren vorschreibt. „Es gilt durchaus als Anreiz, um die Jagd und die Tötung zu forcieren“, erklärt er in dem Gespräch. Zudem begrüßte die Umweltschutzorganisation, dass auch die Felle der Tiere zunehmend für unter anderem Mützen und andere Bekleidungsprodukte genutzt werden. Mehrere Metzger bieten bereits Waschbärfleisch als Delikatesse an und im Internet erscheinen mehr und mehr Rezepte wie Waschbäreintopf, Waschbärgulasch oder Waschbärbraten, die zumeist von amerikanischen auf deutsche Verhältnisse adaptiert wurden. Waschbärfleisch gilt als fettarme Alternative zu traditionellen Fleischsorten und ist reich an Eiweiß, Vitaminen und Nährstoffen.