Ausnahmezustand in russischer Großstadt

Kaum ein Land hat seine Verteidigung schneller aufgerüstet als die Ukraine. Innerhalb weniger Jahre haben die Ukrainer mit einem relativ kleinen Budget die Waffenentwicklung vorangetrieben und teilweise revolutioniert. Jetzt reichen ukrainische Drohnen und Langstreckenraketen tief ins russische Hinterland hinein und bringen dort umfassende Zerstörung. Insbesondere russische Städte mit Ölraffinerien und Umladeplätzen stehen im Fokus der Ukrainer, und Engels, benannt nach dem deutschen Philosophen und kommunistischen Revolutionär Friedrich Engels, wird seit dem letzten Herbst besonders gebeutelt. Die Stadt mit etwas über 200 000 Einwohnern im europäischen Teil Russlands hat neben einem strategisch wichtigen Militärflugplatz auch eine Ölraffinerie, die regelmäßig von ukrainischen Drohnen in Brand gesetzt wird. Dort wurde gerade der Ausnahmezustand ausgerufen, aber dieses Mal nicht wegen Drohnengefahr. Die Stadt versinkt buchstäblich in Fäkalien. 

Apokalyptische Zustände  

Laut Angaben der Behörden ist die Abwasseranlage der Stadt beschädigt und wird seit etwa zwei Wochen aufgrund von Hochwasser durch die nahegelegene Wolga überflutet. Das unappetitliche, stinkende Wasser ist seither in die Stadt und die ersten Häuser eingedrungen. Gleichzeitig haben die Behörden die Frischwasserzufuhr abgestellt, weil diese vom Abwasser kontaminiert wurde. Seit dieser Woche gilt der Ausnahmezustand, nachdem die Stadt nicht mehr imstande ist, die Einwohner mit Wasser zu versorgen. Die Einwohner wurden aufgefordert, weder Toiletten noch Bäder zu nutzen, während die Stadtverwaltung mit unregelmäßigen Zwischenräumen eine äußerst begrenzte Anzahl von Wasserflaschen verteilt. 

Wut auf Putin wächst 

Unter Einwohnern in Engels verbreitet sich jetzt der Unmut über die russische Regierung und Präsident Wladimir Putin. Besonders die Militärparade am vergangenen Samstag im Zusammenhang mit dem Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland steht im Fokus. „Während Putin Millionen für Paraden ausgibt, um sich selbst zu feiern, versinkt die russische Bevölkerung im Kot“, heißt es in Engels. In der Zwischenzeit sind auch die Gesundheitsbehörden in höchste Alarmbereitschaft versetzt, denn mit den steigenden Abwasserpegeln erhöht sich auch zunehmend die Seuchengefahr und man erwartet eine Welle von Darminfektionen und Hepatitis A in dem überschwemmten Bereich. In der Zwischenzeit hat die zentrale russische Regierung in Moskau trotz mehrfacher Bitten um Hilfe aus Engels immer noch nichts von sich hören lassen.

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Alexander Grünstedt