Deutschland kocht: Ausnahmezustand Dauerhitze

Meteorologen sagen voraus, dass für die nächsten zwei Wochen keine Abkühlung zu erwarten ist. Doch neben den herrlichen Badevoraussetzungen schafft die Dauerhitze vor allem Probleme: Blow-Ups und Hitzelimits auf Autobahnen, Bakterien in Gewässern, Waldbrandgefahr und katastrophale Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Verheerende Waldbrände zerstörten bereits einen ganzen Urlaubsort in Griechenland und rissen dutzende Menschen in den Tod. Auch Deutschland ist nicht davor sicher. Außerdem gibt es Problem die weniger bekannt sind, aber viele betreffen:

Die Straßenlage ächzt unter der Hitze. Auf der A7 und A81 wurden Tempolimits eingerichtet um „Blow-ups“, also Hitzeschäden der Autobahn, zu vermeiden. Betroffene Autobahnabschnitte sollen gleichzeitig erneuert oder mit sogenannten Entlastungsstreifen versehen werden. Achtung Staugefahr! Wer in der Bullenhitze im Stau steht, sollte nicht nur selbst mit ausreichend Wasser versorgt sein, sondern auch die Wassertemperaturanzeige des Fahrzeugs im Auge behalten. Bei mangelndem Fahrtwind, krassen Außentemperaturen und einer Stop-And-Go-Belastung stoßen auch Motorkühlungen immer wieder an ihre Grenzen. KFZ-Experte Hans-Georg Marmit empfiehlt in einem Interview mit der WELT: „Nähert sich der Zeiger dem roten Bereich schafft Heizen mit dem Gebläse auf höchster Stufe kurzfristige Abhilfe. Denn die Heizung leitet die Motorabwärme ins Autoinnere und senkt so die Temperatur des Kühlwassers.“ und ergänzt „Die Klimaanlage sollte unbedingt ausgeschaltet werden, sie belastet den Motor zusätzlich.“ Hat sich endlich ein Rastplatz gefunden, empfiehlt es sich die Motorhaube zu öffnen, um Abkühlung verschaffen. Keinesfalls jedoch darf der Verschluss des Kühlwasserbehälters geöffnet werden, solange das Auto überhitzt ist. Das unter Druck stehende Wasser kann herausspritzen oder dampfen und zu schweren Verbrennungen führen.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) sorgt sich inzwischen um die Gesundheit von Straßen-Bauarbeitern. Bei der extremen Hitze sind gesundheitliche Schäden von Sonnenbrand bis Hitzeschlag nicht auszuschließen. Bei dem aktuellen Klima müsse unbedingt darauf geachtet werden, dass jeder genügend trinke. Außerdem sollten Arbeiten in der Mittagssonne vermieden bzw. in den Schatten verlagert werden. „Hilfreich ist die Faustregel: Wenn der eigene Schatten kleiner ist als die Körpergröße, dann ist die Gesundheitsgefahr besonders hoch.“

Große Schäden richtet die Hitze auch in der Forst- und Milchwirtschaft an. Den nachgepflanzten Bäumen für die nächste Holzsaison geht das Wasser aus. Gleichzeitig beklagt der Deutsche Bauernverband mangelnde Futterversorgung von Milchkühen. „Die Viehhalter müssen jetzt entweder auf Futtervorräte vom Vorjahr zurückgreifen, Futter zu hohen Kosten zukaufen oder den Viehbestand durch vorgezogene Schlachtungen reduzieren.“ sagte Udo Hemmerling im BILD-Interview.

Menschen suchen derweil Erfrischung in Badeseen und im Meer. Forscher warnen jedoch vor dem steigenden Infektionsrisiko in immer wärmer werdenden Gewässern.