Intensivstationen laufen voll: Erste Uniklinik hat mit „weicher Triage“ begonnen

Mehrere Kliniken Deutschlands sind am Rande ihrer Kapazitäten angekommen. Aufgefangen wird die Situation nur noch durch Personal, das bis an die Grenzen der Belastbarkeit geht. Besonders ernst ist die Lage in Köln. Karl Lauterbach spricht bereits von Triage.

Mehrere Kliniken berichten von knappen Kapazitäten aufgrund der Fülle an neuen Corona-Patienten. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nahm auf einen Bericht aus Köln Bezug und schrieb via Twitter: „Die weiche Triage, suboptimale Versorgung durch Verlegen oder Verschieben, hat schon begonnen. Die Lage spitzt sich täglich zu.“

Michael Hallek, der Direktor der Inneren Medizin der Uniklinik Köln hatte mehrfach geschildert, dass die Lage in seiner Klinik „sehr angespannt“ sei. In den vergangenen zwei Wochen seien immer wieder Patienten aus den Kliniken der umliegenden Region verlegt worden, weil dort keine Intensivbetten mehr frei waren. Am vergangenen Wochenende musste die Uniklinik Köln mehrere Intensivpatienten über längere Zeit in der Notaufnahme versorgen, weil die Intensivstation voll belegt war. Es sei der Einsatzbereitschaft und Flexibilität der Mediziner und des pflegenden Personals zu verdanken, dass die Lage nicht völlig aus dem Ruder laufe.

Vergleichbar sehe die Situation in anderen Großstädten aus. In Berlin melden bereits neun Kliniken, dass die Kapazitäten auf den Intensivstationen ausgelastet seien. Ähnliche Meldungen kommen aus Thüringen: Die Kliniken in Jena und im Corona-Hotspot Greiz riefen erstmals seit Dezember erneut den Notstand aus. Fünf schwer erkrankte Corona-Intensivpatienten werden bereits in andere Bundesländer verlegt, weil die Kapazitäten vor Ort ausgeschöpft sind.

Laut Divi-Register sind bundesweit noch 14,1 Prozent der Intensivbetten verfügbar. „Was bedeuten zehn Prozent? Die durchschnittliche Größe der Intensivstationen ist zehn bis zwölf Betten. Das bedeutet: pro Intensivstation genau ein Bett“, sagte Steffen Weber-Carstens von der Berliner Charité und betonte: Diese Auslastung des Gesundheitssystems falle auch zulasten von Patienten anderer Krankheiten.

„Wir sind jetzt in einer sehr kritischen Phase der Pandemie angekommen. Deutschland befindet sich in einer absoluten Krise“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx der „Augsburger Allgemeinen“. „Die Intensivstation laufen an vielen Klinikstandorten voll“, verdeutlichte er. „Wir erleben einen ungebremsten Anstieg der Infektionen und einen ungebremsten Anstieg der Intensivpatienten“. Deshalb sei es höchste Zeit, dass der Bundestag das neue Infektionsschutzgesetz auf den Weg bringe, so Marx. „Jeder Tag mehr bedeutet mehr Infektionen, mehr schwer kranke Menschen und mehr Patienten, die an Corona sterben werden – und mehr Patienten die schwerer erkranken oder sterben, weil wir so viele Corona-Patienten haben.“

9 Kommentare

  1. Ich finde es vollkommen unverstaendlich, dass kleine Geschaefte, Gaststaetten, und andere Arbeitsstaetten geschlossen sein muessen, aber die Menschen in Bussen
    und S-Bahnen Mann an Mann stehen und eng aneinander sitzen muessen, weil diese ueberfuellt sind, besonders zu Stosszeiten in denen viele zur Arbeit Hin-und Zurueckfahren und auf die Verkehrsmittel angewiesen sind.
    Ich bin der Meinung entweder ALLES schliessen fuer eine kurze Zeit oder ALLES mit strengen Vorschriften zu oeffnen.
    Ich spreche in diesem Fall von Muenchen.
    Was das Ganze sonst fuer einen Sinn haben soll, frage ich mich???

    1. Genau DAS habe ich mich schon eine ganze Weile gefragt!!!
      In vielen kleinen Geschäften wird der Kunde an der Tür bedient, oder er darf mit einem Negativtest den Laden betreten in dem sich dann höchstens drei , evt. vier Personen aufhalten.
      Anschließend geht er dann in den Supermarkt…… !!! ??? 🤨🤔

    1. Es ist unfassbar. Parteipolitisches Klein-Klein kostet x Menschen das Leben, die noch dazu wortwörtlich *krepieren*. Vielleicht sollte man die Herrschaften in Ihren Parteibunkern Mal daran erinnern, daß Ihr Handeln sie für konkrete Todesfälle verantwortlich macht. Und ggf. bei parteipolitisch bedingter Verzögerung dringend notwendiger Maßnahmen auch Anzeigen wegen fahrlässiger Tötung o. ä. ins Auge fassen. Könnte das eine oder andere beschleunigen…

  2. Wer gestern die Sendung „Plasberg“ gesehen hat, der weiß warum es in der Pandemie nicht klappt:
    Bescheuerte EU bei der Impfstoffbeschaffung, FDP lehnt fast alle Beschränkungen ab und dafür bekommt sie noch von den Jzristen Unterstützung mit Hinweis auf das GRundgesetz.
    Ich habe ich schon vielfach geschrieben: Juristen sind in der Regel alles Deppen und da nehme ich unsere oberen Gerichte nicht aus Sie interpretieren etwas, wie ist rein subjektiv und und objektiv geshen, oft sinnverkehrt. Die Pandemie ist eine Ausgangslage, die mehr verlangt, solche juristischen Interpretationen, und in der Interpretation sind sich nie einig!!!!
    Deshalb hat für mich der Bergriff „Rechtswissenschaft“ eine andre Bedeutung, es ist eben keine Wissenschaft!!!!

  3. War alles vorauszusehen. Da findet ein Kampf zwischen Bund und Landesfürsten statt.
    Angebracht wäre eine gemeinsame „Armee“ gegen das Virus. Aber jeder versucht kleiste Vorteile aus diesem Geschehen für sich in Anspruch zu nehmen. Dabei wird die Verantwortung für das Ganze vergessen.

    1. ich sag nur: Kasperletheater
      Merkel ist die Großmutter, Laschet und Söder sind Kasperl und Seppl .. können sich beide aussuchen wer Sie sein wollen .. bzw. wechseln hier halt auch mal die Rollen.
      Bleibt nur die Hoffnung, dass „am Ende wirklich alles gut wird“ ..zumindest im Kasperletheater ist es so.
      Für meinen Geschmack hat das aufgeführte Stück aber eine viel zu große Überlänge.

  4. Wieso wurden in 2020 über 25% der Intensivbetten in Deutschland abgebaut?
    20% der an Corona erkrankten Patienten belegen aktuell die Intensivbetten. (lt. Intensivbettregister DIVI)

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