

Lidl kann eigentlich nichts falsch machen. Der Discounter hat den Daumen immer am Puls der Gesellschaft und greift oft ohne weitere Umstände dort ein, wo es benötigt wird, und das mit einem Minimum an öffentlicher Aufmerksamkeit.
Als vor wenigen Jahren die Kosten für Lebensmittel und andere Konsumgüter drohten, außer Rand und Band zu laufen, nachdem die internationalen Reedereien plötzlich ihre Transportkosten verdoppelten, kaufte der Discounter mit Sitz in Bad Wimpfen außerhalb von Heilbronn kurzerhand eine Schiffflotte. Damit konnte die Geschäftsführung die Preisentwicklung besser in Schach halten und gleichzeitig auch anderen Einzelhändlern eine Transportalternative bieten. Während die Politiker und die Industrie immer noch heftig über den Bau von Rechenzentren in Deutschland diskutieren, um Preise, Standorte und staatliche Subventionen festzulegen, haben in Lübbenau im Spreewald bereits die Bauarbeiten an einem Megarechenzentrum begonnen. Bauherr ist der Eigentümer des Discounters, die Schwarz-Gruppe. Jetzt werfen sich Lidl und Co. in ihr nächstes Abenteuer: Wohnraum ist knapp und teuer in Deutschland. Lidl will gerne etwas dagegen tun.
Dort bauen, wo es gebraucht wird
Der Discounter hat gerade ein erstes Projekt fertiggestellt, und zwar dort, wo es am dringendsten notwendig war: im deutschen Ferienparadies Sylt. Im Laufe der letzten Jahre ist die Insel zu einem Tummelplatz der Reichen aus dem In- und Ausland geworden. Einheimische haben keine Chance mehr, Wohnraum zu finden, und was an Gebäuden vorhanden ist, wird Touristen und deren Freizeitbedarf vorbehalten. Diese örtlichen Verhältnisse hat Lidl in Betracht gezogen, als der Discounter ein Bauprojekt für ein neues Einkaufszentrum entwickelt hatte. Im Ortsteil Tinnum wurde gerade der Spatenstich für das neue Bauprojekt ausgehoben, das neben einem Lidl-Supermarkt im Erdgeschoss auch 15 Wohnungen vorsieht, die der großen Wohnungsnot auf Sylt Erleichterung bringen sollen.
Mietpreis noch nicht festgesetzt
Die Miete für die neuen Wohnungen ist noch nicht festgesetzt. Laut Lidl sollen aber die Wohnungen ausschließlich der örtlichen Bevölkerung vorbehalten werden, oder denjenigen, die auf der Insel arbeiten. Die Ein- bis Drei-Zimmer-Appartements bieten 44 bis 78 Quadratmeter Platz für sowohl Alleinstehende und Pärchen als auch Familien. Außerdem hat Lidl ökologische Bedenken in Betracht gezogen und fördert eine moderne Holz-Hybrid-Bauweise, die mit begrünten Fassaden und Dächern geschmückt wird, um sich in die Natur der Insel einzufügen. Ladestationen für ihre Elektroautos erhalten die Mieter auch direkt vor der Haustür. Neben Lidl und den privaten Mietern sollen auch eine Apotheke und weitere Einzelhändler in das neue Gebäude einziehen.
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