Neuer Virus in Deutschland bestätigt: Furchtbare Symptome möglich

Bei einem 60-Jährigen aus Baden-Württemberg wurde erstmals eine nachweislich in Deutschland erworbene Sindbis-Virus-Erkrankung bestätigt. Der Erreger wird durch Stechmücken übertragen. Viele Infektionen bleiben unbemerkt, doch bei manchen Erkrankten halten die Beschwerden lange an.

Zunächst deutete vieles auf eine andere mückenübertragene Krankheit hin: Als ein 60-jähriger Mann aus Baden-Württemberg im Juli ein Fiebergefühl, Hautausschlag und Gelenkschmerzen entwickelte, vermuteten seine Ärzte eine Chikungunya-Infektion. An seinem Wohnort gibt es bereits Populationen der Asiatischen Tigermücke. Die Untersuchung bestätigte den Verdacht jedoch nicht.

Erst weitere Tests brachten Klarheit. Im September wurde die Infektion mit dem Sindbis-Virus anhand spezifischer Antikörper nachgewiesen. Weil der Mann vor seiner Erkrankung nicht außerhalb Baden-Württembergs unterwegs gewesen war und keine andere plausible Ansteckung im Ausland vorlag, stuften Fachleute den Fall als hierzulande erworben ein. Das Robert Koch-Institut veröffentlichte ihn am 1. Oktober in seinem Epidemiologischen Bulletin.

Der aktuelle Fall ist der erste bestätigte Nachweis einer symptomatischen, in Deutschland erworbenen Sindbis-Virus-Infektion beim Menschen. In heimischen Stechmücken wurde der Erreger bereits 2009 entdeckt. Später folgten weitere Nachweise in Mücken und Wildvögeln. Auch bei einzelnen Blutspendern aus der Umgebung von Weinheim fanden Forschende Antikörper.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin geht deshalb davon aus, dass sich schon früher Menschen hierzulande angesteckt haben, ohne dies zu bemerken. Infektionen seien selten, erkennbare Erkrankungen noch seltener und leicht zu übersehen.

Das Virus zirkuliert vor allem zwischen Vögeln und Stechmücken. Menschen können sich durch den Stich einer infizierten Mücke anstecken. Hinweise auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es bislang nicht.
Viele Infektionen verlaufen ohne erkennbare Symptome oder mit leichten Beschwerden. Typisch für eine Erkrankung sind Fieber, ein häufig juckender Hautausschlag sowie Gelenkschmerzen. Hinzukommen können Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit und allgemeines Unwohlsein.


Während Ausschlag und andere akute Beschwerden meist innerhalb von ein bis zwei Wochen nachlassen, können die Gelenke deutlich länger schmerzen. Nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC halten diese Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen über Monate, mitunter sogar Jahre an. Das RKI beschreibt schwere Verläufe als Ausnahme.

Eine zugelassene Impfung oder eine speziell gegen das Sindbis-Virus gerichtete Behandlung gibt es derzeit nicht. Die medizinische Versorgung konzentriert sich darauf, Beschwerden wie Schmerzen und Juckreiz zu lindern.
Vorbeugen lässt sich durch Schutz vor Mückenstichen: körperbedeckende Kleidung, geeignete Mückenschutzmittel und Fliegengitter helfen dabei.

Für die Ärzteschaft ergibt sich aus dem Fall eine konkrete Empfehlung: Bei Fieber, Hautausschlag und ausgeprägten Gelenkschmerzen während der Mückensaison sollte auch ohne vorherige Auslandsreise an mückenübertragene Viren gedacht werden. Fallen Untersuchungen auf Dengue oder Chikungunya negativ aus, kann eine gezielte Abklärung auf Sindbis sinnvoll sein.

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Jerry Heiniken