

Separatistenbewegungen sind in einem europäischen Zusammenhang nichts Neues. In Spanien und Frankreich wollen die Basken raus und ihr eigenes Land starten, während das Tirol gerne ohne die Regierungen in Wien und Rom eigenständige Entscheidungen treffen würde. In Großbritannien will so gut wie jeder außer den Engländern die einheitliche Flagge des Union Jack verlassen und sowohl Korsika als auch Sardinien haben genug von den respektiven Regierungen in Frankreich und Italien.
Jetzt muss sich anscheinend auch Deutschland mit einer brandneuen Sezessionsbestrebung auseinandersetzen. Aber während die Autonomiebewegungen im restlichen Europa nicht nur politisch, sondern auch kulturell bedingt sind, dreht es sich bei der Austrittserklärung zweier deutscher Bundesländer um den Strompreis.
Deutscher Nord-Süd-Konflikt
Jetzt haben nämlich Schleswig-Holstein und Hamburg gefordert, sich dem benachbarten Dänemark anzuschließen. Das kam aus einem Treffen der Regierungen der beiden Bundesländer in Hamburg hervor. Laut dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) macht die augenblickliche Strompreisverteilung in Deutschland keinen Sinn und liegt den Bürgern und Betrieben in den nördlichen Bundesländern unnötig auf der Tasche. Deutschland operiert als einzige Nation in Europa mit einem einheitlichen Strompreis über die gesamte Republik, obwohl der Großteil der Elektrizität im Norden produziert wird. Ungerecht, finden die Norddeutschen, die lieber ihrer eigenen Wirtschaft billigeren Strom zur Verfügung stellen wollen. Eine Stromunion mit Dänemark wäre laut dem Hamburger Bürgermeister „marktgerechter und würde Synergien entwickeln im Sinne der Energiewende“.
EU hat das letzte Wort
In Berlin werden die Pläne der Norddeutschen mit Unmut wahrgenommen. Laut dem Koalitionsvertrag zwischen den Unionsparteien und der SPD ist der einheitliche deutsche Strompreis unantastbar und besonders der bayerische Parteivorsitzende der CSU, Markus Söder, hat in mehreren Medieninterviews darauf hingewiesen, dass seine Partei niemals unterschiedlichen Strompreisen in Deutschland zustimmen würde. Der Grund ist natürlich, dass bei einem Austreten der nördlichen Länder aus der Strompreisinfrastruktur die Preise für Elektrizität in Bayern in die Höhe schießen würden. Das letzte Wort könnte dennoch die EU haben, die über die Stromverteilung über den gesamten Block kräftig mitmischt und einen gesunden Wettbewerb und Zusammenschlüsse über die traditionellen Landesgrenzen der Mitgliedsländer hinaus befürwortet.
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Die Strompreise in Bayern sind einfach zu niedrig im Gegensatz zu der eigenen Anstrengung, den Strompreis gerecht zu verteilen. Die wollen keine Windräder und keine Solarpaneele, weil es das Umfeld "verschandelt". Nehmen aber gern Strom von denen, die ihre Umwelt "verschandeln". Hinzu kommt auch noch, dass ihre Bauern nicht einmal Kabel unter ihre Äcker haben wollen. Möglicherweise könnte da ja der Phlogiston entweichen.