

Der Aufstieg erneuerbarer Energien hat im Laufe der letzten Jahre die Anzahl der Energieanbieter, die Strom aus natürlichen Quellen anbieten, wie die Pilze aus dem Boden schießen lassen. Aber wie mit jedem Trend schafft es nicht jeder der neugegründeten Lieferanten weit über die Startlinie hinaus. Dies geschieht zum Leidwesen der Kunden, die nicht nur dem Ungemach einer Suche nach einem neuen Stromversorger ausgesetzt sind, sondern oft auch aufgrund ihrer Notsituation auf weitaus teurere Angebote als gängig zugreifen müssen.
In der Regel erhalten Stromkunden eine dreimonatige Kündigungsfrist von ihrem bestehenden Anbieter, und damit genügend Zeit, um einen standesgemäßen Ersatz ausfindig zu machen. Nicht so bei dem Anbieter „Grüüün“, der gerade auf seiner Website bekannt gegeben hat, dass das Unternehmen bereits in zehn Tagen, am 31. Oktober, den Betrieb und damit die Stromlieferungen einstellen wird. Hunderttausende Haushalte sind betroffen.
Bundesnetzagentur ermittelt
Die äußerst kurzfristige Warnung hat jetzt die Bundesnetzagentur auf den Plan gerufen. Die Behörde hat verkündet, ein Verfahren gegen den Stromlieferanten eingeleitet zu haben. Nicht nur hat die Geschäftsleitung von Grüüün es unterlassen, die Kunden ordnungsgemäß von der Aufgabe des Betriebs zu informieren. Auch die Bundesnetzagentur sei nicht von dem Energielieferanten über die Einstellung der Stromlieferungen informiert worden. „Eine Anzeige gegenüber der Bundesnetzagentur erfolgte bisher nicht“, heißt es aus der Bundesbehörde. „Gerade in Zeiten steigender Energiepreise muss sich jeder auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zur Abwicklung von Energielieferverträgen verlassen können.“ Dennoch bedeutet das Verfahren bislang nicht, dass Grüüün über den 31. Oktober hinaus Strom an Kunden liefern wird.
Verbraucherschutz empfiehlt Widerspruch
Auch Verbraucherschützer sehen die fristlose Kündigung und den plötzlichen Lieferstopp von Strom an Haushalte als gesetzeswidrig an und empfehlen Grüüün-Kunden, dem angekündigten Lieferstopp zu widersprechen und darauf zu bestehen, dass der bestehende Vertrag weiterhin erfüllt wird. Grüüün begründet die Einstellung der Stromlieferungen mit einem neuen Gesetzesvorschlag von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), der die Stromversorgung durch grüne Energiegewinnung in Zukunft deutlich erschweren wird. Kunden, die im Laufe der nächsten Tage keinen neuen Energieversorger ausfindig machen können, werden automatisch auf den Grundversorger in ihrer Region umgestellt, müssen aber mit weitaus höheren Strompreisen rechnen.