Todesdoktor vergiftet zwei Dutzend Patienten – neun starben

Ein Arzt aus Frankreich soll 24 Patienten vergiftet haben, neun starben. Dennoch wurde der Todesdoktor aus der Haft entlassen.

Der Anästhesist Frédéric P. im Osten Frankreichs soll 24 Patienten vergiftet haben – absichtlich und aus niederen Beweggründen. Die französische Justiz ist dem Arzt zwar auf den Fersen. Doch vorerst hat das Urteil eines Haftrichters den 47-jährigen Mediziner wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Bevölkerung ist schockiert. Die Staatsanwalt will Rechtsmittel einlegen.

P. wird vorgeworfen in zwei Kliniken in Besançon zwei Dutzend Patienten vergiftet zu haben. Die mutmaßlichen Opfer waren in jeder Altersklasse vertreten. Das jüngste Opfer soll erst vier Jahre alt gewesen sein, das Älteste 80. Die Patienten hatten sich wegen kleiner, chirurgischer Eingriffe in die Klinik und damit in die Hände von P. begeben. Die meisten der 24 Betroffenen erlitten während der Operation einen Herzstillstand. Einige lagen daraufhin tagelang im Koma, neun überlebten den Zustand nicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Anästhesisten vor, er habe den Patienten ohne medizinische Notwendigkeit ein Lokalanästhetikum oder giftiges Kalium verabreicht. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen steht der Verdacht im Raum, P. habe dies aus Geltungssucht getan. Demnach habe P. die Patienten in Lebensgefahr gebracht, um sie anschließend zu reanimieren und sein Bedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen.

Die Verteidigung des Narkosearztes betonte, dass bei den zweijährigen Ermittlungen „nichts“ herausgekommen sei, was die Schuld seines Mandanten belegen könne. Der Haftrichter gab dem nach und ließ P. unter Auflagen wieder frei. Die Staatsanwaltschaft will Rechtsmittel einlegen. Kommt sie damit durch, droht dem Arzt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Vorerst hat er Berufsverbot und darf sich außerdem nicht mehr in der Stadt Besançon aufhalten.

Der Arzt selbst bestreitet die Vorwürfe. Opfer-Anwalt Jean-Michel Vernier erklärte, die Nebenkläger seien „wütend“ und „sprachlos“ darüber, dass man P. wieder laufen gelassen habe.

Der Fall erinnert an den deutschen Serienkiller Niels Högel. Der Krankenpfleger aus Niedersachsen ermordete mindestens 100 wehrlose Patienten durch eine Todesspritze. 2018 gestand er die Morde. An die Details konnte er sich nicht mehr genau erinnern. Die Staatsanwaltschaft warf Högel vor, er habe aus Langeweile getötet und weil er den Helden spielen wolle. Högels Opfer befanden sich in intensiv-medizinischer Betreuung als dieser ihnen ein tödliches Herzmedikament verabreichte. News64 berichtete.