

Die Vereinigten Staaten haben sich seit dem neuen Amtsantritt von Präsident Donald Trump beinahe konstant im Clinch mit den herkömmlichen Partnern im westlichen Militärbündnis NATO befunden. Ständig bemängelt das amerikanische Staatsoberhaupt die Unzulänglichkeit der Verbündeten, und droht mit einem Austritt der USA. Jetzt hat die amerikanische Regierung eine neue Taktik eingeschlagen. Statt eines Austritts soll das Bündnis vom Inneren her zerschlagen werden, indem man die vermeintlich „Klassenbesten“ an den Verhandlungstisch einlädt, und den Rest der Mitglieder einfach ignoriert. Mit dieser toxischen Methode erhoffen sich die Amerikaner eine Spaltung der NATO, in dem nur eine Auswahl von sechs Ländern in Zukunft zum „Inneren Kreis“ gehören wird. Dieser besteht neben den USA aus Deutschland, den Niederlanden, Polen und den nordischen Ländern Finnland, Norwegen und Schweden.
Persönliche Vorlieben des Präsidenten im Vordergrund
Der amerikanische Staatssekretär Eldridge Colby hat gerade zu einem NATO-Treffen in Polen eingeladen, um Pläne über die Zukunft der NATO zu schmieden. Dabei hat das amerikanische Verteidigungsministerium es bewusst unterlassen, NATO-Kernländer wie Großbritannien, Frankreich oder Italien auf die Teilnehmerliste zu setzen. Besonders schockiert sind die NATO-Mitglieder aber darüber, dass die baltischen Länder, die den wichtigsten Teil der Ostflanke des Bündnisses darstellen, nicht an den Gesprächen beteiligt sind. Der Ausschluss einiger der größten und wichtigsten NATO-Länder von Gesprächen über die Zukunft der NATO-Länder steht in nahem Zusammenhang mit den persönlichen Abneigungen des amerikanischen Präsidenten.
Kindergartenspiele mit echten Waffen
Großbritannien kann seit der Wahl einer mäßig linksorientierten Regierung in den Augen Trumps überhaupt nichts recht machen. Frankreichs Landesoberhaupt Emmanuel Macron hat zum Entsetzen der amerikanischen Rüstung gerade gefordert, dass das durch europäische Zuschüsse erhöhte Verteidigungsbudget auch in Europa für heimische Waffen ausgegeben wird. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte sich über den fehlenden Enthusiasmus ihres Landes im Iran-Krieg einen phänomenalen Schlagabtausch online mit Trump geliefert, aus dem der Amerikaner nicht als Gewinner hervortrat. Die baltischen Länder hat Trump gerade beschuldigt, durch eine unverblümte Wortwahl über die russischen Drohneneinfälle auf NATO-Gebiet Putin unnötig zu verärgern. Mit der neuen NATO-Strategie, die sich an das kindische, aber höchst effektive „Du darfst nicht mitspielen“ bekannt aus Kindergärten, orientiert, versuchen Trump und seine MAGA‑Politiker jetzt, die NATO von innen zu spalten und die Europäer gegeneinander auszuspielen. Dass Deutschland zurzeit zum Insiderkreis der Amerikaner gehört, ist dabei nicht unbedingt ein gutes Zeichen.